
Steinmann

Im äußersten Nordwesten Namibias liegt das Kaokoland (auch: Kaokoveld). Es ist nur schwer zugänglich. Abseits jeglicher Zivilisation ist man dort tatsächlich in einer Wildnis unterwegs wie man sie im südlichen Afrika kaum noch vorfindet. Teerstraßen sucht man vergebens, Supermärkte gibt es nur in der einzigen Stadt Opuwo im Osten dieser Wildnis. Man kann tagelang über Pisten schaukeln, …ohne daß man auf Menschen trifft.

Hingegen erspäht der aufmerksame Reisende ab und an skurrile Steinfiguren in der Landschaft, meist an markanter Stelle neben der Fahrspur. Steigt der Reisende aus, so erkennt er, daß ein Künstler mit viel Geschick diese Figuren in verschiedenen körpersprachlichen Haltungen erschaffen hatte. Alle Figuren sind nummeriert und mit einem Sinnspruch versehen.

Über den Künstler hingegen ist nichts bekannt. Er möchte offensichtlich anonym bleiben. Seine Aktion findet allgemein großen Zuspruch. Alle meine Gäste sind begeistert von seiner Idee etwas „Abwechslung“, „Kunst“ oder auch „Tiefsinnigkeit“ in dieser menschenleeren und rauen Landschaft zu etablieren.

Die Anzahl der Figuren wechselt. Einige Männchen wurden an andere Standorte versetzt. Drei Steinmänner fanden sogar zu einer Gruppe zueinander. Und ein Steinmann wurde zerstört. Sein metallenes Exoskelett wurde aufgesägt und fand wohl bauliche Verwendung in einem endemischen Kraal.

Im Tourismus hingegen machen die Figuren Furore! Sie werden gefilmt, fotografiert, betatscht und imitiert. Auf unseren Touren durch das Kaokoland werden sie jedes Mal mit einem „denkwürdigen“ Stopp bedacht!

